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Jochen Hanisch-Johannsen Fragebogen 2024-10-02 2024-10-02
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Empirie
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Methodische Notiz
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1 Definition

Ein Fragebogen ist ein systematisch konzipiertes Instrument zur Datenerhebung, das aus einer strukturierten Abfolge von Fragen oder Items besteht und auf die Erfassung bestimmter Merkmale, Einstellungen oder Verhaltensweisen abzielt. Ziel eines Fragebogens ist es, standardisierte Daten zu erheben, die anschließend quantitativ oder qualitativ ausgewertet werden können. Ein gut konzipierter Fragebogen muss den Kriterien der Objektivität, Validität und Reliabilität entsprechen, um aussagekräftige und verallgemeinerbare Ergebnisse zu liefern.

2 Herleitung

Der Fragebogen als empirisches Instrument hat seinen Ursprung in den Anfängen der psychometrischen Forschung und wurde zunächst zur Messung individueller Merkmale wie Intelligenz und Persönlichkeit eingesetzt. Seitdem hat sich das Konzept weiterentwickelt und wird in vielen Bereichen der Sozial- und Verhaltenswissenschaften verwendet. Zentrale Ansätze zur Fragebogenentwicklung stammen von Rensis Likert und Louis Thurstone, die Skalen zur Messung von Einstellungen konzipierten.

3 Praktische Anwendung

Ein Fragebogen kann für eine Vielzahl von Forschungsfeldern eingesetzt werden, z. B. zur Erhebung von Meinungen, zur Messung psychologischer Konstrukte oder zur Erfassung von Verhaltensmustern. Die konkrete Ausgestaltung hängt von der Forschungsfrage und dem Geltungsbereich ab.

4 Konzeptentwicklung

Die Entwicklung eines Fragebogens erfolgt in mehreren Schritten, die sicherstellen, dass die erhobenen Daten gültig und zuverlässig sind.

4.1 Zielgruppe

Die Zielgruppe bestimmt den Geltungsbereich des Fragebogens, d. h., bei welcher Personengruppe der Fragebogen angewendet werden soll. Diese Festlegung ist entscheidend für die Operationalisierung der Begriffe und die Formulierung der Fragen, da das Verständnis und die Bereitschaft zur Beantwortung je nach Zielgruppe stark variieren können.

4.2 Merkmalsbereich und Forschungsfrage

  • Merkmalsbereich: Der Merkmalsbereich bezieht sich auf die spezifischen Aspekte, die der Fragebogen messen soll (z. B. Einstellungen, Wissen, Verhalten). Hierbei ist eine präzise Abgrenzung erforderlich, um die Inhaltsvalidität zu gewährleisten.
  • Forschungsfrage: Die Forschungsfrage leitet sich aus dem Merkmalsbereich ab und definiert, welche spezifischen Zusammenhänge oder Unterschiede untersucht werden sollen.

4.3 Geltungsbereich

Der Geltungsbereich beschreibt, auf welche Population der Fragebogen angewendet werden soll. Dies umfasst die demografischen Merkmale (Alter, Geschlecht, Bildung) sowie die kontextuellen Bedingungen (z. B. berufliches Umfeld).

4.4 Hypothesenformulierung

Auf Basis der Forschungsfrage können spezifische Hypothesen abgeleitet werden, die überprüft werden sollen. Diese Hypothesen müssen so formuliert werden, dass sie durch die Fragebogendaten geprüft werden können.

5 Operationalisierung

Die Operationalisierung beschreibt den Prozess, durch den theoretische Konzepte in messbare Größen umgewandelt werden. Ein gängiges Verfahren hierbei ist die Aufteilung der theoretischen Begriffe in Dimensionen, die dann durch Variablen und schließlich durch konkrete Items erfasst werden.

5.1 Begriffs- und Merkmalsbereich

  • Begriffe müssen so spezifiziert werden, dass sie den zu messenden Merkmalsbereich vollständig abdecken. Dies erfordert eine detaillierte Literaturanalyse und eine präzise Definition des zu erfassenden Konstrukts.

5.2 Tabellarische oder grafische Darstellung

Der Verlauf der Operationalisierung sollte in einer Tabelle oder als Diagramm dargestellt werden, um die Beziehung zwischen Begriff, Dimension, Variablen und Items zu visualisieren. Dies hilft, die Kohärenz der Messstruktur sicherzustellen.

6 Fragestellung und Itementwicklung

Die Entwicklung der einzelnen Fragen erfolgt auf Basis der Operationalisierung und orientiert sich an den zu messenden Konstrukten. Es sollten mehrere Fragetypen verwendet werden (z. B. Likert-Skala, offene Fragen, dichotome Fragen), um verschiedene Aspekte des Konstrukts zu erfassen.

6.1 Kriterien für die Itemformulierung

Bei der Formulierung der Items sind folgende Kriterien zu beachten:

  • Eindeutigkeit: Jedes Item sollte nur eine Dimension erfassen.
  • Verständlichkeit: Die Sprache sollte an die Zielgruppe angepasst sein.
  • Neutralität: Keine suggestiven oder wertenden Formulierungen.

6.2 Skalenentwicklung

Die Wahl der Skala hängt vom Messziel ab:

  • Nominale Skalen: Erfassen Kategorien ohne Rangfolge (z. B. Geschlecht).
  • Ordinale Skalen: Erfassen eine Rangfolge (z. B. Zufriedenheitsskala).
  • Intervallskalen: Ermöglichen die Messung von Abständen (z. B. Temperatur).

7 Gütekriterien

Ein zentraler Aspekt bei der Entwicklung von Fragebögen ist die Einhaltung der Gütekriterien:

7.1 Objektivität

Der Fragebogen sollte so gestaltet sein, dass die Ergebnisse unabhängig von der Person, die den Test durchführt oder auswertet, sind.

7.2 Reliabilität

Die Reliabilität beschreibt die Genauigkeit, mit der der Fragebogen misst. Ein reliabler Fragebogen liefert bei wiederholter Anwendung unter denselben Bedingungen ähnliche Ergebnisse.

7.3 Validität

Die Validität gibt an, inwieweit der Fragebogen das misst, was er zu messen vorgibt. Hierbei wird zwischen Inhaltsvalidität, Kriteriumsvalidität und Konstruktvalidität unterschieden.

8 Folgerungen

Ein gut entwickelter Fragebogen ermöglicht die zuverlässige und valide Erfassung von Daten, die zur Beantwortung der Forschungsfrage beitragen. Er ist daher ein zentrales Instrument der empirischen Sozialforschung.

9 Zusammenfassung

Ein Fragebogen ist ein methodisches Instrument zur standardisierten Datenerhebung, das je nach Zielsetzung und Zielgruppe angepasst werden muss. Der Entwicklungsprozess umfasst die Formulierung einer präzisen Forschungsfrage, die Operationalisierung der Konstrukte und die sorgfältige Itementwicklung. Die Einhaltung der Gütekriterien gewährleistet die Qualität der Ergebnisse.

10 Quelle(n)

  • Steinebach, C. (2003). Pädagogische Psychologie: Lehren und Lernen über die Lebensspanne. Klett-Cotta.
  • Likert, R. (1932). A Technique for the Measurement of Attitudes. Archives of Psychology, 140, 155.
  • Thurstone, L. L. (1928). Attitudes Can Be Measured. American Journal of Sociology, 33, 529554.