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Günter Hohlfeld
Die empirische Übersetzung eines Forschungsproblems
I. Die dimensionale Analyse
Die dimensionale Analyse eines Sachverhalts wird in vier Schritten durchgeführt: Ziel der dimensionalen Analyse ist ein System von Begriffen (deskriptives Schema), in dem die relevanten Aspekte des Untersuchungsgegenstands beschrieben werden und begrifflich wiedergegeben sind.
| Ideen- und Material- sammlung | Zunächst werden Merkmale (Dimensionen) des Sachverhalts gesam- melt, ohne danach zu fragen, wie sehr sie mit der Fragestellung in Ver- bindung stehen. Es sollten möglichst unterschiedliche Quellen herangezogen werden: "Brainstorming", vorhandene Forschungslitera- tur, Expertenbefragungen, explorative Vorstudien etc. |
|---|---|
| Systematisierung der Dimensionen | Im zweiten Schritt sollten die gefundenen Dimensionen geordnet wer- den, um einen Überblick über die Komplexität des Gegenstandes zu erlangen. Durch die Systematisierung werden auch eventuelle Lücken aufgedeckt. Es sind unterschiedliche Ordnungskriterien denk- bar: |
| a) Ordnung nach Ursachen und Wirkungen b) Ordnung vom Allgemeinen zum Speziellen c) Ordnung in Form eines zeitlichen Ablaufs | |
| Auswahl der relevan- ten Dimensionen | Nicht alle gesammelten Dimensionen sind im Rahmen der Fragestel- lung gleich wichtig. Deswegen müssen nun die relevanten Dimensio- nen ausgewählt werden. Eine Dimension ist dann relevant, wenn ihre Untersuchung Informationen liefert, ohne die die Fragestellung nicht erschöpfend oder angemessen beantwortet werden kann. |
| Entwicklung eines de- skriptiven Schemas | Wenn die bisher verwendeten sprachlichen Bezeichnungen noch zu unklar für die ausgewählten Dimensionen sind, dann müssen diese Bezeichnungen verbessert, d. h. präzisiert werden. Üblicherweise ver- sucht man dann, das empirische Phänomen mit Begriffen zu beschrei- ben. Die Gesamtheit dieser Begriffe bildet das deskriptive Schema. Das deskriptive Schema umfasst also alle Begriffe, die not- wendig sind, um den Sachverhalt in der Untersuchung erschöpfend zu beschreiben. |
II. Semantische Analyse
Da viele Begriffe mehrdimensional oder mehrdeutig sind, ist es Sinn der semantischen Analyse, die Bedeu- tung von Begriffen im Kontext der Aussagen oder Hypothesen, in denen sie verwendet werden, zu rekon- struieren und gegebenenfalls zu präzisieren. Es geht um die Frage: "Was ist in dieser Aussage 'eigentlich' mit dem Begriff gemeint?" Vorgehen:
- Ideen und Materialsammlung über mögliche Bedeutungsdimensionen des Begriffs
- Systematisierung der ermittelten Bedeutungen nach einem bestimmten Ordnungsschema 3. Auswahl derjenigen Bedeutungsdimensionen, die als theoretisch bedeutsam gelten können.
- Die Auswahl ist zu begründen
- Zusammenfassung der Ergebnisse in Form einer Definition
- Als Schlusspunkt der semantischen Analyse werden die so definierten Begriffe empirisch interpretiert.
Literatur: Andreas Dieckmann, Empirische Sozialforschung, Hamburg 1995, Kap. V, Abschnitt 2, Seite 174 - 199 Kromrey, H. (1995): Empirische Sozialforschung, Opladen, 7. Auflage, S. 67 - 73; 86 - 94