This repository has been archived on 2025-07-10. You can view files and clone it, but cannot push or open issues or pull requests.
Files
research_archiv/Systemtheorie/Feedback.md

5.7 KiB
Raw Blame History

author, title, created, updated, tags, project, type, publish
author title created updated tags project type publish
Jochen Hanisch-Johannsen Feedback Eine systemische und zirkuläre Perspektive 2024-12-06 2024-12-06
Feedback
Systemtheorie
Lernen
Reflexion
Kybernetik
Systemlernen
Wissenschaftliche Notiz
false

Einleitung

Feedback ist ein zentrales Konzept in unterschiedlichsten wissenschaftlichen und praktischen Kontexten, von der Kybernetik über die Pädagogik bis hin zur Psychologie und Kommunikation. Ziel dieses Beitrags ist es, den Begriff Feedback systematisch herzuleiten, präzise zu definieren und seine Funktion im zirkulären Lernprozess theoretisch zu erklären. Dabei wird insbesondere auf die universelle Bedeutung von Feedback in lebenden, psychischen, sozialen und emergenten Systemen eingegangen.

1 Definition

Der Begriff Feedback bezieht sich auf einen neutralen Informationsimpuls, der Unterschiede zwischen einem Ist-Zustand und einem Soll-Zustand sichtbar macht. Es ist durch Neutralität, Kontextabhängigkeit und die Anregung von Reflexions- und Anpassungsprozessen gekennzeichnet. Feedback wird in biologischen, psychischen, sozialen und technischen Systemen verwendet und trägt wesentlich zur Selbstregulation, Anpassung und Weiterentwicklung dieser Systeme bei.

2 Herleitung

2.1 Kybernetik und Systemtheorie

In der Kybernetik wurde der Begriff Feedback durch Norbert Wiener geprägt, der Rückkopplung als Mechanismus zur Steuerung und Regelung von Systemen beschrieb (Wiener, 1948). Dabei unterscheidet die Kybernetik zwischen:

  • Negativem Feedback, das Stabilität fördert, indem es Abweichungen korrigiert (z. B. bei der Temperaturregelung im menschlichen Körper).
  • Positivem Feedback, das Verstärkung und Veränderung bewirkt (z. B. bei exponentiellem Wachstum in biologischen Systemen).

Die Systemtheorie von Ludwig von Bertalanffy erweiterte diese Perspektive, indem Feedback als universeller Mechanismus in offenen Systemen betrachtet wurde (Bertalanffy, 1968). Hier dient Feedback der Selbstorganisation und Adaptivität komplexer Systeme.

2.2 Pädagogik und Psychologie

In der Pädagogik ist Feedback ein zentrales Element, um Lernprozesse zu unterstützen. Empirische Studien, insbesondere von John Hattie, zeigen, dass Feedback eine der höchsten Effektstärken im Lernen aufweist (Hattie, 2009). Hierbei ist die Qualität des Feedbacks entscheidend: Es sollte spezifisch, zeitnah und auf die Lücke zwischen Ist- und Soll-Zustand fokussiert sein.

In der Psychologie wurde Feedback durch B. F. Skinner im Kontext der operanten Konditionierung beschrieben (Skinner, 1953). Rückmeldungen dienen hier als Verstärker, die Verhalten formen und steuern können.

2.3 Kommunikation und technische Systeme

In der Kommunikationstheorie von Claude Shannon und Warren Weaver (Shannon & Weaver, 1949) spielt Feedback eine essenzielle Rolle, um die Wirksamkeit von Botschaften zu überprüfen und Kommunikationsprozesse anzupassen. In technischen Systemen wird Feedback verwendet, um Regelkreise und Automatisierungen zu steuern.

Feedback

Feedback beschreibt den Vorgang, bei dem ein System die Wirkung eines eigenen Outputs als Input zurückführt. In mathematischer Sprache handelt es sich um eine rekursive Abhängigkeit x_{t+1} = f(x_t), wobei f eine Transformationsfunktion darstellt, die sich dynamisch anpasst. In sozialen und psychischen Systemen entspricht Feedback der Beobachtung von Konsequenzen, die aus dem eigenen Handeln resultieren.

Im Zusammenhang mit der Gleichung


P(t) = P_{\text{real}}(t) + i \cdot \tan(\beta t) \cdot P_{\text{real}}(t) \tag{3}

bedeutet Feedback, dass der imaginäre Anteil der Wirkungswahrscheinlichkeit keine eigenständige Größe ist, sondern eine systematische Funktion des reellen Anteils. Die Rückkopplung ist abhängig vom bereits vorhandenen Zustand. Damit lässt sich Feedback direkt über den Re-Entry-Faktor \tan(\beta t) als Funktion der Zeit modellieren.

3 Folgerungen

Feedback ist ein universeller Mechanismus, der die Selbstregulation, Reflexion und Anpassung in lebenden, psychischen, sozialen und technischen Systemen ermöglicht. Seine Funktion im zirkulären Lernprozess ist zentral, um Unterschiede sichtbar zu machen und Anpassungen vorzunehmen.

4 Implikationen

Die Implikationen des Feedback-Konzepts sind vielfältig:

  • In der Bildung ermöglicht es zielgerichtete Lernprozesse und die Förderung von Selbstregulation.
  • In der Technik sorgt es für stabile und adaptive Systeme.
  • In der Kommunikation verbessert es die Effektivität zwischenmenschlicher und technischer Interaktionen.

5 Kritik

Trotz seiner universellen Bedeutung ist Feedback nicht immer effektiv. Es hängt stark von der Wahrnehmung, den Bedürfnissen und den Emotionen der empfänglichen Systeme ab. Unspezifisches oder übermäßig kritisches Feedback kann zu Widerständen und Fehlinterpretationen führen.

6 Zusammenfassung

Der Begriff Feedback beschreibt einen neutralen Informationsimpuls, der Unterschiede sichtbar macht, Reflexionsprozesse anstößt und systeminterne Anpassungen ermöglicht. Er wird in biologischen, psychischen, sozialen und technischen Systemen angewendet und ist entscheidend für die Selbstorganisation, Stabilität und Weiterentwicklung dieser Systeme.

Quellen

  • Bertalanffy, L. von. (1968). General System Theory: Foundations, Development, Applications. George Braziller.
  • Hattie, J. (2009). Visible Learning: A Synthesis of Over 800 Meta-Analyses Relating to Achievement. Routledge.
  • Shannon, C. E., & Weaver, W. (1949). The Mathematical Theory of Communication. University of Illinois Press.
  • Skinner, B. F. (1953). Science and Human Behavior. Macmillan.
  • Wiener, N. (1948). Cybernetics: Or Control and Communication in the Animal and the Machine. MIT Press.