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| Jochen Hanisch | 2025-06-21 | 2025-06-21 | false |
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1 Definition
Elementarzeit ist eine aus der Abfolge der Elementaroperationen Feedback, Reflexion und Re-entry emergierende Struktur, die als operativer Ordnungsrahmen fungiert. Als solche stellt sie die generative Bedingung für die Zeitkonstruktion physikalischer, chemischer, biologischer, lebender, psychischer, sozialer und emergenter Systeme dar.
Erläuterung der Elemente
Elementarzeit bildet die grundlegende Voraussetzung aller anderen Zeitkonstruktionen. Während chronologische, thermodynamische oder relativistische Zeitformen in etablierten wissenschaftlichen Disziplinen jeweils als eigenständige Konzepte behandelt werden, geht das Konzept der Elementarzeit diesen Konzepten logisch und epistemisch voraus. Sie entsteht durch die zyklische Abfolge der Elementaroperationen Feedback, Reflexion und Re-entry und konstituiert die strukturellen Bedingungen, unter denen andere Zeitformen beobachtbar, messbar oder bedeutungstragend werden können.
Sie ist damit weder ein Mess- noch ein Koordinatensystem, sondern ein generatives Ordnungsprinzip, das die Möglichkeit schafft, Zeit überhaupt als Struktur zu erleben, zu reflektieren und zu rekonstruieren. Andere Zeitformen lassen sich aus der Elementarzeit ableiten, nicht umgekehrt.
Elementarzeit ist nicht nur durch die zyklische Wiederkehr der Elementaroperationen bestimmt, sondern erhält ihre zeitliche Struktur und Richtung durch die Übergänge zwischen diesen Operationen. Entscheidend sind hier die beiden Zustandsübergänge:
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Inversion bezeichnet den Übergang von Feedback zu Reflexion. Sie leitet eine Umkehr der Zeitstruktur ein: Während Feedback mit wachsender Entropie verbunden ist, markiert die Inversion den Beginn einer rückwärtsgerichteten Entropieabnahme. Reflexion ist daher nicht einfach eine Phase, sondern eine Umkehrbewegung in der Elementarzeit.
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Re-Inversion bezeichnet den Übergang von Reflexion zu Re-entry. Sie stellt die erneute Umkehrung der Zeitrichtung dar: von rückwärtsgerichteter Ordnungserzeugung zurück in eine vorwärtsgerichtete Emergenzstruktur. Re-entry ist damit kein Rückfall in die ursprüngliche Zeitlinie, sondern eine reintegrierende Fortschreibung unter veränderten Bedingungen.
Diese beiden Übergänge sind strukturbildend für die gerichtete Ausformung der Elementarzeit. Ohne sie bliebe der Vollzug der Operationen temporallogisch indifferent. Erst Inversion und Re-Inversion machen aus zyklischen Operationen eine gerichtete, beobachtbare und strukturierbare Zeitform.
Im systemtheoretischen Kontext erscheint Elementarzeit als vermittelnde Instanz zwischen operativer Komplexitätsreduktion und emergenter Bedeutungsstruktur. Sie ermöglicht die Kopplung von Beobachtung, Erfahrung und Ordnung und bildet somit die zeitliche Bedingung jeder naturwissenschaftlichen, lebenden, psychischen und sozialen Strukturierungsleistung. Ihre Relevanz liegt insbesondere darin, dass sie eine gemeinsame Ursprungsstruktur für disparate Zeitkonzepte darstellt und deren Koexistenz sowie deren Differenzierung aus sich heraus erklärbar macht (Luhmann, 1997; Prigogine & Stengers, 1984; Varela, 1997).